4. August 2022

the body-neutrality-movement

Konstantin Mikulitsch

Du musst lernen deinen Körper zu lieben wie er ist, dann wird dein Leben besser … aber „muss“ ich das?

Wo die Body-Positivity-Bewegung manchmal kontraproduktiv ist und wie uns das Modell Body-Neutrality weiterhelfen kann.

body-positivity

Ok, ihr habt sicher schon von Body-Positivity gehört. Wenn nicht fasse ich nochmal kurz zusammen was ich persönlich darunter verstehe. Die Body-Positivity-Bewegung geht zurück bis in die 1960er Jahre und wird vor allem als Gegenbewegung zum Fat-Shaming gesehen. Was ist das nun wieder? Fat-Shaming ist – überspitzt – wenn ich dicken Menschen sage, dass sie schlecht sind, weil sie dick sind. Oder aber auch, wenn ich mir selber sage, dass ich schlecht bin, weil ich dick bin. (Weil im Prinzip ist’s noch viel schlimmer wenn mich meine eigenen Gedanken mobben, die lassen sich nämlich nicht ausschalten)

Na gut. Jedenfalls kam dann die Body-Positivity-Bewegung auf. 

Der Grundgedanke: 

Du bist perfekt so wie du bist. 

Du darfst deinen Körper lieben so wie er ist.

Das Internet, die Magazine, Instagram, alles voll mit Menschen, die zu ihrem Körper stehen und öffentlich sagen: Ich bin schön so wie ich bin, auch wenn andere sagen würden ich sei zu dick, zu dünn, zu irgendwas.

Das klingt ja jetzt eigentlich super oder?

Dachte ich auch, bis ich einen Podcast mit Teri Hofford gehört habe. Teri ist eine amerikanische Portraitfotografin, die sich schon seit Jahren mit diesen Themen auseinandersetzt.

Jedenfalls kam in diesem Interview der Satz:

Was ist, wenn ich es nicht schaffe, meinen Körper so zu lieben wie er ist und ich mich jetzt nicht nur fertig mache weil ich meinen Körper nicht mag sondern auch noch, weil ich es nicht schaffe, Body-positive zu sein? Alle anderen (wir erinnern uns: das Internet, die Magazine, Instagram, also ALLE ANDEREN!) sind jetzt body-positive, nur ich nicht.

Ich bin zu schwach dafür. Zu blöd. Zu was auch immer. Und die Gedankenspirale dreht sich weiter.

STOP! – Was ist wenn es hier einen Ausweg raus gibt?

Wir brauchen Body-Positivity in unserer Welt, und wenn du so weit bist dann geh raus und feiere deinen Körper! Aber was ist mit all den Menschen (und es sind viele!), die auf Body-Positivity schauen, dann in den Spiegel, und dann mit schlechtem Gefühl vor einer unschaffbaren Aufgabe stehen?

Willkommen, BODY-NEUTRALITÄT (Body-Neutrality, oder auch Body-Liberation)

body-neutrality

Dieser Begriff ist erst ein paar Jahre alt, wahrscheinlich wurde er zuerst 2015 von Melissa Fabello in einem Blogpost verwendet. Aus diesem Post hab ich auch viel von meinem heutigen Wissen, deshalb findet ihr hier einiges daraus wieder (ich verlinke unten alle meine Quellen, schau dir das in Ruhe genauer an, wenn es dich interessiert)

Ich persönlich hasse meinen Körper nicht. Es gibt ein paar Stellen, die ich in der Vergangenheit nicht mochte und mittlerweile akzeptieren kann … da ist zum Beispiel diese eine Welle, die mein Haar macht, die hab ich noch als Jugendlicher und junger Erwachsener gehasst, mittlerweile ist sie mir einfach egal … dann war ich mein Leben lang schon 5-10 Kilo übergewichtig, wie dann Julia mit Lou schwanger war hab ich nochmal gute 10 Kilo zugenommen, und diese nie wieder verloren. Mein Bauch hat mich immer ein bisschen gestört, aber nie so sehr dass ich jetzt aktiv was dagegen getan hätte (bis vor ein paar Monaten, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel)

Gut, das bin ich, ich bin da eher Stoiker. Ich weiß aber und kann es auch nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die ihren Körper wirklich hassen. Und wenn du da kommst mit Sprüchen wie „aber du musst deinen Körper ja nur lieben, dann wird alles gut“, ist es wahrscheinlich so wie wenn du Ihnen einfach von hinten den Knüppel überziehst. Oder?

Über Generationen wurden wir „gefüttert“ mit der Idee, dass wir nur etwas Wert sind wenn wir ein gewisses Aussehen haben. Und egal was wir „verbessern“, irgendwas anderes stimmt dann erst recht nicht. Wir können nicht gewinnen. It’ designed this way.

Und das große Problem ist ja jetzt nicht nur dass du deinen Körper oder teile davon nicht magst. Sondern dass das deinen Alltag so sehr einschränkt, dass du wie in einem Gefängnis lebst. Wenn du zum Beispiel keinen Bikini anziehst um am Strand zu gehen, weil du sagst ich bin zu dick. Oder wenn du GAR nicht am Strand gehst, weil du dich für deinen Körper schämst. Oder wenn du gerne eine Sportart ausprobieren würdest, du aber dir selber sagst das geht mit deinem Körper nicht. Wie sehr beschränkst du dein Leben wegen der Gedanken, die du dir über deinen Körper machst?

Body-Neutralität soll uns helfen, unser Leben so zu leben wie wir wollen, EGAL wie wir gerade zu unserem Körper stehen.

Was ist das Ziel vom Body-Neutrality-Movement?

Das Ziel von Body-Neutrality ist es, zu akzeptieren, dass wir einen Körper haben. An manchen Tagen mögen wir ihn. An anderen Tagen nicht. Aber an allen Tagen respektieren wir unseren Körper.

Body-Neutralität, das ist in der Früh aufwachen, ins sich hineinspüren, und zu überlegen: was frühstücke ich heute um mich gut zu fühlen, was braucht mein Körper, um gut durch den Tag zu kommen?

Body-Neutralität, das ist sich vorm Rausgehen in den Spiegel zu schauen um sich zu versichern, dass nicht einzelne Haare ins Gesicht hängen oder du aus versehen ein faltiges Hemd angezogen hast. Und nicht um sich fertig zu machen wie dick du grad bist. Aber auch nicht um wie Narziss seine eigene Schönheit zu bewundern!

Body-Neutralität, das ist Sport zu machen aus dem Grund sich besser zu fühlen und die Maschine zu pflegen und in Schwung zu halten. Und nicht um ein bestimmtes „Schönheitsideal“ zu erreichen.

Body-Neutralität, das ist einzuschlafen und an alles mögliche zu denken. An alles, außer daran was du morgen ändern solltest, damit du einen schöneren Körper bekommst.

Body-Neutralität ist ein Startpunkt, ein Ausgangspunkt,

Eine BASIS.

Body-Neutralität ist Body-Akzeptanz. Eine Haltestelle am Weg zur Body-Love. Du kannst hier aussteigen oder am Weg bleiben zur Body-Positivity, ganz dir überlassen. Das wichtigste ist: Wenn du mal hier bist brauchst du nicht mehr zurückschauen an den Ort, den du verlassen hast. Ich mag ja auch den Begriff Body-Liberation. Nämlich die Befreiung von jeglichem Körper-Gefühls-Zwang.

Vielleicht können wir das den Menschen vorschlagen: Man darf sich Schritt für Schritt einem besseren Körpergefühl nähern und muss keine Riesenschritte dorthingehen. Vielleicht schaffen was dann auch mehr, den Selbst-Hass hinter sich zu lassen.

———————

Wir alle befinden uns was unser Körper-Gefühl betrifft irgendwie auf einer Reise, die unser ganzes Leben lang parallel läuft. Wo stehst du gerade?

Du möchtest dich weiter mit dem Thema auseinandersetzen?

der Blogpost von Melissa Fabello aus 2015 (5 Minuten Lesezeit)

TED-Talk mit Bethany Meyers (10 Minuten, sehenswert)

ein Artikel aus der Zeit von Milena Zwerenz

1 Kommentar

  1. sabrina

    Danke für diesen Post

    Antworten

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