27. April 2021

Plötzlich Veganer

Konstantin Mikulitsch

Disclaimer: Ich will hier niemanden belehren. Sondern nur meinen Weg zeigen – denen, die das interessiert. Oder denjenigen, die vielleicht schon einmal daran gedacht haben, auf rein pflanzliche Ernährung umzusteigen. Du kannst ja deinen eigenen Weg gehen. Whatever.

Also, eigentlich wollte ich das hier alles schon seit langem niederschreiben, es hat mir bisher nur der richtige Schub Motivation gefehlt. Vor zwei Wochen durfte ich allerdings einen kurzen Vortrag vom Ernährungswissenschaftler Martin Schlatzer hören (danke Gernot für die Einladung) – und da war es klar dass ich das hier nicht mehr aufschieben will.

Ich möchte in diesem Artikel erzählen, wie ich zum Veganer wurde, was also meine Beweggründe dazu waren.

Ich ernähre mich auch heute noch so weit es geht von Burger und Pizza 😉

Mein Leben vor dem Vegansein:

Selber hätte ich wohl früher von mir gesagt: „Ich esse eh nicht so viel Fleisch, mir ist wichtig wo die Produkte herkommen, die ich esse, auf das schau ich schon ein bisschen. Mir ist wichtig dass die Tiere nicht leiden, bevor sie ihren Weg auf meinen Teller finden. Milch mag ich eigentlich nur im Kaffee, aber ich liiiebe Käse und kann mir gar kein Leben ohne vorstellen.“

Meine Mama ernährt sich schon seit fast immer vegetarisch, somit war bei uns in meiner Kindheit Fleisch und Wurst was ich bekommen hab wenn ich bei den Großeltern war (also oft) oder wenn wir im Gasthaus gegessen haben (auch manchmal) – als ich dann älter wurde gab es dann Fleisch und Wurst und tierische Produkte eigentlich täglich in irgendeiner Form. Ich habe ALLES gegessen. Von der Leberkäsesemmel bis zum Beuschel. LECKER! Zweimal hab ich es sogar geschafft meine damals vegetarisch lebenden Freundinnen zum Fleischessen zu konvertieren – und ich war auch noch stolz drauf.

Wie gesagt, ich glaube mein Ernährungsbewusstsein entsprach so ungefähr dem Durchschnitt der Bevölkerung. Und ja, ich mag Tiere, und deshalb war es mir immer wichtig dass diese nicht (so arg) zu Schaden kommen. Aber mein Verhalten habe ich dafür nicht wirklich geändert. Dafür gibt’s ja Tierschutzgesetze, dachte ich. Irgendwer schaut schon drauf, dass es den Viecherln im Stall nicht (so) schlecht geht.

gut, dass es jetzt schon genug veganes Fastfood gibt. Wie hier bei Frontfood in Linz

Und dann?

Und dann kam der Tag, an dem ich einen Artikel im Standard gelesen habe. Und zwar diesen hier: https://www.derstandard.at/story/1331207041361/neue-regelung-in-kraft-kritik-an-21-jahren-uebergangsfrist-bei-kastenstandverbot

Im Prinzip kam damals ein neues Gesetz bzw die Überarbeitung eines Gesetzes aus dem Tierschutz heraus. Und zwar sollte die Nutzung von „Kastenständen“ sehr stark eingeschränkt werden. 

Kastenstände? Da wird die Muttersau im Prinzip so eng eingesperrt, dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Um die Ferkel davor zu schützen, zerquetscht zu werden. Klingt ja eigentlich gut, oder? Wir wollen ja die Ferkel schützen! Nur durften Säue damals bis zu 150 (!) Tage im Jahr so eingesperrt werden. Mit dem neuen Gesetz sollte es dann dazu kommen, dass Säue nur noch bis maximal 10 Tage nach dem Wurf so eingesperrt werden dürfen. (Schweine gebären im Schnitt zweimal pro Jahr, da kommen wir gleich wieder auf 20 Tage.)

Wenn wir unterwegs sind suchen wie alle veganen Cafes und Restaurants auf, die wir finden können – so wie hier das NUZ in Linz

Tierschutz! Yay?

Klingt doch im Prinzip super, oder? Tierschutz, yay, wir Menschen kümmern uns um Verbesserungen! Die Landwirt:innen bekamen dann noch 21 Jahre Übergangszeit, um ihre Stallungen auf dieses neue System umzurüsten. Einundzwanzig Jahre. WTF? Da hat es mich erwischt. Da habe ich erkannt dass den Menschen, die diese „Tierschutz“-Gesetze beschließen – die Tiere eigentlich scheißegal sind. Und dass mir, wenn ich dieses System unterstütze, die Tiere scheißegal sind. Und in diesem Moment habe ich beschlossen, dass dieses System von mir keinen einzigen Euro mehr bekommt. Weil ich wusste damals schon, dass ich mit jedem Euro, den ich für Fleisch ausgebe, in irgendeiner Form genau das begünstige. Und zwar egal ob Tierfabrik oder Biofleisch vom Bauernmarkt. Nachfrage führt zu Angebot. Und das in den verschiedensten Variationen.

An diesem Tag wurde ich also einmal Vegetarier. Für die Tiere. Und dann habe ich erst wirklich angefangen, mich mit Tierhaltung und Nahrungsmittelproduktion zu beschäftigen. Ein Monat später war ich vegan. Weil im ersten Moment denkst du dir: „Ich esse ab jetzt kein Fleisch mehr, super! Milch und Eier aber schon noch, weil dort sterben ja keine Tiere, ja, Haltung und so, aber Hauptsache keine toten Tiere.“ – denkste … Als einmal der Schalter im Kopf gefallen war hat es ein paar Stunden Recherche im Internet und zwei bis drei Dokumentationen gedauert, den Schritt von kein Fleisch zu ganz tierfrei zu gehen. Weil, egal wo und wie der Mensch Tiere für sich nutzt, sie im Prinzip nur Produktionseinheiten sind. Sachen, die einen gewissen Wert haben und einen gewissen Gewinn erzielen müssen, ansonsten sind sie nutzlos. Und was macht Mensch mit nutzlosen Sachen? Genau. Schreddern, vergasen, auf den Müll damit.

Aber natürlich gibt es auch „gesundes“ Essen bei uns zu Hause

Also, nun war ich vegan.

Das ist jetzt 9 Jahre her. Der Umstieg auf rein pflanzliche Ernährung war eigentlich nicht schwer, geholfen hat sicher, dass wir gerne und viel kochen und uns sehr schnell mit veganer Küche vertraut gemacht haben (auch wenn es etwas gedauert hat bis wir Tofu in den Griff bekommen haben LOL) – Und dass es heutzutage ganz einfach ist, seinen Essensbedarf tierfrei zu gestalten. Und das auch noch lecker!

So. Und jetzt lese ich grad in den Zeitungen dass grad das Thema Spaltböden in der Schweinehaltung aktuell ist. Sind furchtbar, da ist sich jeder einig, der sich 2 Minuten mit dem Thema beschäftigt hat. Und alle schreien wieder der Politik: „da brauchts bessere Gesetze, strengere Regeln, blabla.“ Was wird kommen? Spaltböden werden verboten werden. Tierschutz und Tierwohl und so. Und die Bauern bekommen wieder 20 Jahre Zeit, um das umzusetzen. Investitionsgarantie heißt das glaube ich.

Können wir die Welt verändern? Ja!

Ich bin davon überzeugt dass wir Menschen das viel schneller lösen können als die Politik, die ja bei Problemen meistens nur hintennach arbeitet. Durch unseren Konsum steuern wir unsere Welt. Mit jedem Euro, den wir einem Unternehmen geben, sagen wir: es ist ok, was du tust. Auch wenn es uns leicht gemacht wird, diese Gedanken zu verdrängen. Aber wir bezahlen für das Tierleid. Wir bezahlen für die Missstände. Und wenn nun ein Unternehmen zuwenig Euros bekommt? Dann muss es die Schweineställe an den Nagel hängen und anfangen, Soja zu produzieren. Um daraus Tofu zu machen. Oder Würstel. Nur so eine Idee.

Wir haben es in der Hand, die Welt zu verändern. Bei jedem einzelnen Einkauf entscheiden wir über die Zukunft der Tiere, der Menschheit, ja des Planeten.

Was denkst du? 

Alles liebe, Konstantin.

PS: Du überlegst, tierische Produkte aus deinem Leben zu verbannen, bist dir aber nicht sicher, ob du das schaffst? Lass uns mal auf einen Kaffee/Tee gehen, vielleicht kann ich dir mit ein paar Tipps dabei helfen.

PPS: Hier ist noch ein Video von Vegan ist ungesund zum Thema Veganismus, schau dir das an wenn es dich interessiert!

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