13. März 2021

Wir lieben Listen: 5 Dinge, in die ich als Hobbyfotograf investieren würde, bevor ich mir eine neue Kamera kaufe

Konstantin Mikulitsch

OK, es ist wieder mal so weit. GAS schlägt zu (gear acquisition syndrome). Du glaubst, dass du sofort eine neue Kamera brauchst, weil deine jetzige zu alt, zu langsam, nicht gut genug ist. Glaub mir, ich kenne das, ich bin die letzten 20 Jahre auch ständig am Nachdenken, ob ich denn schon wieder eine neue Kamera brauche. Und ja, es gibt Momente, da ist das auch wirklich notwendig. Wenn die alte kaputt ist zum Beispiel. Oder wenn du einen kompletten Systemwechsel vorhast (zB von Spiegelreflex auf spiegellos).

Aber, ich sag dir das jetzt und werde es immer wieder wiederholen: eine neue Kamera lässt dich keine besseren Fotos machen. Deine Bilder sind mies? Dann hast du nachher miese Bilder mit mehr Auflösung 😉

Du möchtest in deine Fotografie investieren? Dann solltest du dir diese Dinge anschauen, bevor du dir eine neue Kamera kaufst:

(Anmerkung: ich bin auf Portrait- und Reportagefotografie spezialisiert. Wenn du nur Sonnenuntergänge fotografierst gelten meine Ratschläge nur zum Teil)

5 Dinge, in die ich investieren würde, BEVOR ich mir eine neue Kamera kaufe:

Bildbände (10-100€)

„Fotografieren lernen bedeutet Sehen lernen“ – keine Ahnung, wer das einmal gesagt hat, ich glaube Leica hat so einen ähnlichen Spruch mal in der Werbung verwendet. Jedenfalls ist es so: wenn wir lernen wollen, schönere Fotos zu machen, dann können wir uns dazu Inspiration bei anderen Fotograf:innen holen. Und schauen, wie sie die Welt „sehen“ – und im Gegensatz zum dauernden Weiterscrollen auf Instagram haben Bücher den Vorteil, dass wir uns die einzelnen Fotos in Ruhe und dadurch bewusster anschauen.

Festbrennweite (the nifty fifty) (50-500€)

Eigentlich wollen wir ja alle nur eines: scharfes Motiv, unscharfer Hintergrund. Nicht? Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber im Gegensatz zu den meisten Zoomobjektiven, die zwar superflexibel sind aber dafür mit schlechten Anfangsblenden daherkommen (je kleiner die Blendenzahl desto ärger die Hintergrundunschärfe) – helfen uns lichtstarke Festbrennweiten beim Freistellen unserer Motive.

Mein Kauftipp: hol dir für deine Kamera ein 50er mit Lichtstärke 1.8 oder besser (umgerechnet auf Vollformatsensor; für APS-Sensoren reicht ein 35er) – die gibt es, je nach Hersteller, gebraucht schon ab €50.

Workshops  (50-500€)

Wer richtig gut werden will muss sich weiterbilden. Ist halt so. Wenn du jetzt deine Kamera schnappst und rausgehst zum Fotografieren kannst du nur das anwenden, was du schon alles gelernt UND geübt hast. Der Vorteil, wenn du einen Workshop besuchst – egal ob online oder offline – ist die Möglichkeit des Austausches mit anderen Fotograf:innen. Ich biete auf meiner Lernplattform einen MiniWorkshop (€37) und einen Grundlagenkurs (€299) an. Vielleicht ist da ja etwas für dich dabei. Ein bis zweimal im Jahr biete ich auch offline Workshops in St. Pölten an. Melde dich doch für meinen Newsletter an, um rechtzeitig informiert zu werden, wenn wieder etwas stattfindet.

ND-Filter (30-100€)

Erinnerst du dich noch an die lichtstarke Festbrennweite von oben? Jetzt hast du endlich ein lichtstarkes 50er (oder 35er oder was auch immer), es ist ein sonniger Tag und du möchtest draußen Portraits offenblendig schießen (deshalb hast du ja ein lichtstarkes Objektiv) – aber: wenn du die Blende ganz aufmachst sind alle deine Fotos überbelichtet. WTF? Gut, jetzt wird’s kurz technisch: das Problem ist, dass du an die technischen Grenzen deiner Kamera gekommen bist. Wenn es sehr hell ist schraubt die Kamera die ISO aufs Minimum, zB 100. Und sie nimmt die kürzeste Verschlusszeit, die sie so draufhat (zB 1/4000 Sekunde) – mit deinem alten Zoomobjektiv hattest du da nie Probleme, noch richtig belichtete Bilder zu machen, und jetzt plötzlich schon? Das Problem ist, dass immer noch zu viel Licht reinkommt. Dieses Problem können wir mit einem ND-Filter lösen (Neutral Density, Neutraldichtefilter, auch Graufilter). Was macht dieses Wunderding? Es lässt weniger Licht zum Objektiv. Und erhält aber die Farben. Der ND-Filter ist eines DER Werkzeuge, die dir bei Draußenportraits im Sonnenlicht weiterhelfen wird. Ich selber benutze einen 8er, der stoppt das Licht um etwa 3 Blenden. Damit komme ich eigentlich immer aus. Für Landschaftsfotografie und so eine Zeug würde ich mir noch stärkere besorgen. Warum? Eine andere tolle Anwendung für ND-Filter: wir können bei Tageslicht Langzeitbelichtungen machen. Wozu, fragst du dich? Hast du schon einmal Bilder von Flüssen, Wasserfällen, Wolken, gesehen, wo du diese fließende Bewegung festgehalten siehst? Da waren höchstwahrscheinlich ND-Filter im Einsatz.

Coaching (100-2000€)

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Wenn du dich wirklich schnell und nachhaltig weiterentwickeln willst (und es dir leisten kannst) schau dich nach einem Coach um. Der Vorteil eines Coachings ist, dass du eine/n erfahrene/n Fotograf:in an deiner Seite hast, derdie dir bei deiner Entwicklung hilft. Ein Blick von außen offenbart schnell einmal die Schwachpunkte in deiner Fotografie und gibt dir den nötigen Arschtritt um auf Kurs zu bleiben. Und ja, ich biete Fotocoaching an, von Einzelstunden für kleinere Problemlösungen bishin zu einem sechsmonatigem Mastercoaching, bei dem du an deinem eigenen Fotoprojekt arbeitest und ich unterstützend einwirke. Falls dich so etwas interessiert schreib mir eine Nachricht.


Du hörst ja doch nicht auf mich, deshalb:

So, du hast die Liste durch und möchtest dir immer noch eine neue Kamera kaufen? Dann hab ich noch einen Tipp für dich. Wenn dein Budget für eine Kamera im Hobbybereich ausreicht (also so zwischen €400 und €1000) überleg dir doch statt in ein Neugerät zu investieren um das gleiche Geld ein gebrauchtes Profi- oder Semiprofimodell zu besorgen. Die haben oft noch sehr wenig Auslösungen (wenn sie zB als Backupgerät verwendet worden sind) und bieten die Vorteile aus dem Profibereich – vor allem einen größeren Sucher, mit dem die Bildkomposition gleich mal besser klappt. Beispiel gefällig? Ich fotografiere grad mit einer gebrauchten xpro1 von Fuji, die neu etwa €1600 gekostet hat. Ich hab dafür €500 bezahlt. Ja, sie ist schon 7 Jahre oder so alt und etwas langsam, aber es macht trotzdem mehr Spaß mit ihr zu Arbeiten als mit den meisten neueren Modellen aus dem Hobbybereich.

Waren meine Tipps hilfreich? Dann hinterlass mir doch einen Kommentar oder hol dir gleich mal meinen miniWorkshop | einfach besser fotografieren. Zwinkersmiley. Alles liebe, Konstantin.

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